Fast vierzehn Tage ist es her, dass mo.rph einen Beitrag veröffentlicht hat. Vierzehn Tage, die sich gerade im Sommer zusätzlich dehnen. Für ein Online-Journal ist das ungefähr das Pleistozän. Algorithmen werden nervös. Reichweiten brechen ein. Irgendwo empfiehlt vermutlich gerade jemand dringend einen Content-Plan.
mo.rph hat derweil: nichts veröffentlicht. Das ist nicht ganz richtig. Auf dem Schreibtisch liegen etwa zwölf bis zwanzig Beiträge. Einige beinahe fertig. Andere sogar sehr beinahe fertig. Wieder andere in jenem besonders hoffnungsvollen Zustand, in dem ein Text seit Tagen geöffnet auf dem Bildschirm steht und allein durch diese Tatsache den Eindruck erweckt, an ihm werde gearbeitet. Man nennt das wohl: Reifung. Weniger wohlmeinende Menschen nennen es: Prokrastination.
Auch damit befände sich mo.rph allerdings in ausgezeichneter literarischer Gesellschaft. Die Geschichte der Literatur ist schließlich voll von großen Werken, auf die Verlage, Lektorinnen und Lektoren, Freundinnen und Freunde und vermutlich zunehmend ungehaltene Familienangehörige jahrelang gewartet haben. Manche Bücher brauchten Jahrzehnte. Manche wurden nie fertig. Bei anderen war irgendwann der Autor fertig (Koeppen hatte es nach etlichen Jahren der Planung oder wenigstens des Versprechens eines großen Romans über dem geduldigen Warten seines Verlegers Unseld dahingerafft). Gemessen daran sind vierzehn Tage geradezu hektisch.
Zu meiner Verteidigung sei außerdem vorgebracht: Während mo.rph schwieg, musste ein erster eigener Gedichtband auf seinem Weg in die Öffentlichkeit begleitet werden. Außerdem liegt ein Buch auf dem Schreibtisch, das hartnäckig darauf besteht, ins Englische übersetzt zu werden. Und dann gibt es bekanntlich noch jene Nebentätigkeit namens Leben (und Brotberuf), die sich trotz wiederholter Bitten bislang nicht bereit erklärt hat, ihren Betrieb für einige Wochen einzustellen.
Dennoch: Neue Texte warten. Und mit ihnen Gedichte, Resonanzen, Seferis und sein Mythischer Lebensbericht, neue Stimmen und einige bereits begonnene Gespräche.
Vielleicht gehört das Warten ohnehin zur Lyrik. Gedichte sind selten bessere Gedichte geworden, weil jemand „Deadline!“ gerufen hat. Manche Zeile muss liegen bleiben. Manche Lektüre nachhallen. Manches Wort braucht die Erfahrung, für eine Weile vergessen worden zu sein, bevor es weiß, wohin es gehört.
Das soll nun allerdings keine allzu elegante Rechtfertigung dafür werden, weitere vierzehn Tage nichts zu tun. Deshalb an alle, die mo.rph lesen, Texte eingesandt haben und gelegentlich nachsehen, ob sich hier noch etwas bewegt: Ja. Sehr sogar. Nur bislang überwiegend unterhalb der sichtbaren Schicht.
In den nächsten Tagen werden die ersten neuen Beiträge erscheinen. Danach folgen weitere – mit jener Mischung aus Beharrlichkeit und Unzuverlässigkeit, die man bei weniger wohlwollender Betrachtung Prokrastination nennt und die wir hier vorläufig weiterhin unter poetischer Reifezeit verbuchen.
Danke für eure Geduld!
Stefan Plasa

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