Poesie
-
Sami Kuci: Beim Apfelbaum
Was das Mondlicht nicht sagt Beim Apfelbaum Unter dem Apfelbaum vergräbst dudas Buch mit den Zaubersprüchen.Jede Nacht kommst du hierher und isst von den Äpfeln.Wenn wir es aussprechen, verlieren wir es,sagst du zu mir. Sprich esimmer nur in dich hinein,nur so wirkt der Zauberund verändert die Weltdurch dich und durch mich,ohne dass wir´s bemerken.Plötzlich steht… Continue reading
-
Stella vom Meer: Samo šuti
Meiner Mutter Sprache Samo šuti Ich bin eine Braut ohne Sprache.Stehe vor dem Altar, keine Worte. Das Kleid, nur geliehen.Die Predigt, unverständlich.Der Ring, KaugummiautomatDer Bräutigam, mein Du aus Fremdem. Wir kennen uns, wie man sich kenntwenn man sich auf der Straße grüßt Du liebst KloßDen werde ich kochenUnd Burgen, ich baue sie diraus Sandstein und… Continue reading
-
Barbara Riemer: Mein Herbst
Goldene Töne vor der Stille Mein Herbst Federleicht wie Pergament fallen Blätter bunt und feinin des Tages Glanz und Pracht und des Mondes Nacht hinein. Winde stürmen über Hain und Flur. Über Stoppelfelder der Naturzieht ein feiner Nebelschweif sehr sachtund verwandelt Wald und Feld in eine gar stille Pracht. Vogelnester sind verlassen und ihr Zug… Continue reading
-
Clemens Josef Horschig: Gedanken im September
Dem Mond nach… Gedanken im September wie herum dennBlätter welken lassen,dass von der Blüte des Sommersnoch Knistern bleibt,den Regen zu wärmen es heißt, die Novemberluftsei zu zierlich,die Stimmen der Vögelzu tragen wer weiß schon,wie licht der Morgenauf den Lippen liegtwenn sanfter Schauerweich und lauernddeine Augen wiegtund Sonne sicham Fenster regt der Himmel schläft,wie noch von… Continue reading
-
Jan Schoepe: Haikoides / Philologin i.R.
Vom stillen Ton zur frühphrygischen Gemüseküche Haikoides Stiller Ton erklingtFledermaus flink schwingtGrüner Frosch versinkt Knall im leeren RaumBlind jagen Kulturen sichFarblos zerbricht Licht Heiligkeit scheint hellWo Macht rafft, zerstörtVölkerrecht zerbricht Philologin i.R. Früher begrüßteFrau Lydia,spürbar begründet,fürwahr lügende,sparsam lüsterndelydische Lyrikübergrünende Hülsenfrüchtefrühphrygisch-versüßterGemüseküche. Resonanz Gedichte brauchen bekanntlich wenig Platz. Das ist für die Gegenwart insofern praktisch, als diese… Continue reading
-
mo.rph fährt zur Messe. Und nimmt Gedichte mit…
Drei Wochen Stille, eine Buchmesse und ziemlich viele Stimmen, die gehört werden wollen Es war etwas still hier. Drei Wochen lang sogar. Für ein Journal, das sich der Lyrik, Poetik und poetischen Gegenwart verschrieben hat, lässt sich das selbstverständlich mühelos als ästhetische Entscheidung verkaufen. Stille. Leerstelle. Erwartung. Man könnte etwas abgehoben von einer kuratierten publizistischen… Continue reading
-
Ich verstehe das nicht. | Über Gedichte, Bedeutungen und andere Zumutungen
Manchmal sagen mir Leserinnen und Leser meiner Gedichte: Ich verstehe das nicht. Ich antworte dann meistens: Versuche nicht zuerst, es zu verstehen. Versuche, etwas zu empfinden. Das ist natürlich eine etwas unbefriedigende Antwort. Besonders für Menschen, die in ihrem Leben gelernt haben, dass Texte dazu da sind, verstanden zu werden. Man liest eine Gebrauchsanweisung, um… Continue reading
-
Warum eigentlich überhaupt schreiben?
Über Notizbücher, einen Schwammpilz und die verspätete Rückkehr einer Stimme Es gibt Dinge, die ich nicht sagen kann. Das ist zunächst einmal eine etwas ungünstige Voraussetzung für jemanden, der einen erheblichen Teil seines Lebens mit Sprache verbringt. Aber so ist es nun einmal: Es gibt heftige Gefühle, für die mir die Wörter fehlen. Erinnerungen, die… Continue reading
-
Lyrik mit Bedienungsanleitung. Über Gedichte, Gefühle und die bedauerliche Eigenmächtigkeit des Lesers
Eine kleine poetologische Nachdenklichkeit – nach einem abgebrochenen Dialog zur Lesart einer Lyriksammlung Es scheint mir, als habe sich in Teilen der sozialen Netzwerke eine neue literarische Gattung etabliert. Sie heißt weiterhin „Lyrik“, trägt den zusätzlichen Titel „Poesie“ und besteht aber nicht selten aus einer persönlichen Befindlichkeit, einigen Zeilenumbrüchen und der stillschweigenden Erwartung, dass die… Continue reading
